Bericht über die Befunde zur Stipesverkleidung

Die Stipesverkleidung des Altars der Ev. Kirche St. Marien zu Oldorf

 

Hier ein Auszug aus dem Bericht des Restaurators Uwe Pleninger aus Hannover. In einem Abschlussbericht hat er die wichtigsten Arbeitsschritte und Ergebnisse fest­gehalten.

"Auch wenn eine Laie möglicherweise Schwierigkeiten hat, diese Fachsprache zu verstehen, so wird doch deutlich, wie kostbar und einzigartig unser Altar ist.

Während der Maßnahmen wurde der einfache graue Anstrich, ein darunter liegen­der roter Anstrich und eine gebrochen weiße Sockelbemalung an der Vorderseite abgenommen. Der rote An­strich wurde nur in verschie­denen Bereichen gefunden und ist wohl zu einer Ausbesserung vor dem grauen Anstrich zu zählen.

Unter diesen zwei Fassungen kam eine Malerei zum Vorschein, die ein feuerrotes, trapiertes Tuch darstellt. Die Tuchdarstellung weist an den Ecken Falten auf und in den Flächen sind noch schwach angedeutete Faltenschatten zu sehen. Unten schließt das Tuch mit einem goldgelben Fransensaum ab, der mit einem roten und weißen Faden befestigt ist. Unten hinter dem Tuch scheint eine graue Marmorimitation hervor.

Der maltechnische Aufbau des roten Fassungsbereichs setzt sich aus vier Schichten zusammen. Es wurde mit weißer Kreide grundiert. Darüber folgt die Untermalung aus Bleimennige zum Anfeuern des Zinnobers. Auf dieser orangen Untermalung liegt die feuerrote Malschicht, die aus Zinnober ausge­mischt mit Bleimennige besteht. Dann folgen in den Faltenbereichen die hellen Erhöhungen und die dunklen Schatten in lasierender Technik. Zum Abschluss wurde gefirnist. Dieser Firnis (ein schnell trocknender Schutzanstrich. Anm. d. Red.) erscheint heute bräunlicher.

Der Malschichtaufbau der Fransenbordüre wurde wie folgt hergestellt: Zunächst wurde mit einem hellen Ocker vorgelegt, dann folgte lasierend aufgetragen das Indischgelb, mit dem die Fransen gemalt wurden. Zur Erhöhung verwendete man Bleiweiß. In einer Probe aus dem gelben Bordürenbereich ist Indischgelb erkenn­bar. Des Weiteren ist Goethit (Eisenoxid-hydroxide) vorhanden, das ein Bestand­teil von Goldocker ist. Indischgelb wurde hauptsächlich in Indien zwischen dem 15. und dem 19. Jahrhundert hergestellt. In Europa tauchte das Pigment erst im 18. Jahrhundert auf und wurde besonders in der Ölmalerei sowie Aqua­rellmalerei verwendet. Es war in der Kunstmalerei beliebt, da es mit allen Pigmenten mischbar war und einen besonderen Gelbton hatte. So kann die Tuchillusion frühestens im 18. Jahr­hundert entstanden sein. Unter dieser maltechnisch hochwertigen Malerei befindet sich eine dunkle braun­rote kaputmortuumfarbene Fassung mit wohl weißen und brauen Absetzungen oder einer einfachen Marmorierung. Es ist die ursprüngliche Fassung, die durch­aus mit der dunkelroten Kanzelfassung aus Wiarden vergleichbar ist. Als Rot wurde rotes Eisenoxid mit Quarzkörnern festgestellt. Dieses ist die typische Zusammensetzung, die unter anderem als das Pigment Kaput mortuum erhältlich ist. Im Manuskript von de Mayerne von 1620 wird ein Fassungs­aufbau beschrieben, wie er auf der Stipesverkleidung gefunden wurde. In der Vorschrift wird erst mit Leim vorgeleimt, dann mit einem Eisenoxid grundiert, nach dem Trocknen mit Bimsstein geschliffen und ein zweites Mal mit Bleiweiß und geringer Menge von Holz­kohle und Umbra grundiert. De Mayerne hat dieses Re­zept von einem „Grundierer" Wallon, der in London wohnhaft war, erhalten. Ein ähnlicher Fassungsauf­bau zeigt das Suppedaneum (Altarpodest Anm. d. Red.). Anhand eines Anschliffes wurde die gleiche Anzahl an Fassungen festgestellt. Der Anschluss zum Altar, die schräg angebrachte Leiste, weist ursprünglich eine zweischichtige schwarze Fassung auf und ist somit mit der roten Illusionsmalerei dazu gekommen."

Auszug aus dem Bericht von Dipl.Rest. Uwe Pleninger von Andreas Streicher zusammengefasst, abgedruckt nach dem Gemeindebrief Wangerland Juni-August  2006.

 

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